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Mein erster Marathon

Eigentlich war für dieses Wochenende die Teilnahme an der Weilerswister RTF „Rund um Weilerswist“ geplant – es sollte aber ganz anders kommen, denn am Samstag (18. Mai 2019) stand ich dann morgens gegen 7 Uhr plötzlich in Erftstadt mit meinem Rennrad. Was ist also passiert?

Ganz einfach – vor wenigen Wochen las ich auf der Internetseite des RSC Erftstadt von dessen erstmals angebotenem „Erftstadt-Venn-Marathon“ im Rahmen ihrer RTF (für Nichtradsportler: „Radtourenfahrt“, eine von Vereinen im Rahmen des Breitensportangebots des Bund deutscher Radfahrer angebotene und ausgeschilderte Fahrten bis ca. 170 km ohne Platzierungen). 206 km, 2.357 Höhenmeter wurden angegeben, die Kartendaten sahen dementsprechend recht ansehnlich aus, wenn man die Gegend hier kennt, denn die Teilnehmer können sich auf ein paar sportliche Anstiege und schnelle Abfahrten freuen. Ich verwarf den Gedanken, dort mitzufahren, da ich dieses Jahr erst einen Hunderter auf der Uhr hatte und doch erstmal die 150 km bei „Rund um Weilerswist“ fahren sollte, die mit knapp 1.600 Höhenmetern auch was zu bieten hat.

Marathon oder doch nicht?

Der Gedanke ließ mich nicht los, immerhin wäre das eine gute Gelegenheit, mal 8 Stunden im Sattel zu sitzen und somit zu sehen, wie ich 1/3 der Zeit der 24 Stunden absolvieren kann, dazu mit An- und Abfahrt fast die Hälfte der geplanten Kilometer in Duisburg. Also – nach kurzer innerfamiliären Rücksprache stand die Entscheidung: Wenn das Wetter passt, fahr ich meinen ersten 200er und „steige auf“ in den Club der Marathonis (ab 200 km werden diese Fahrten als Marathon gewertet – im Gegensatz übrigens zum Mountainbike, da sind es mindestens 60 km, die absolviert werden müssen).

In der Zwischenzeit hab ich also neben viertelstündlichen Wetterchecks zu Erftstadt, Heimbach und Monschau mir auch die Strecke auf Planungsapps wie GPSies oder Komoot angesehen, um zu sehen, was mir blüht. Passenderweise war einen Tag zuvor mein Inspektionstermin bei Rose, bei dem das Rad nach genau 2 Monaten und 1.500 km durchgecheckt wurde. Ich war also bereit und freute mich auf den Samstag.

Der Erftstadt-Venn-Marathon

Mit Vorfreude, aber auch einer gehörigen Portion Respekt machte ich mich also am Samstag gegen halb 7 mit dem Rad auf den Weg nach Erftstadt und nutzte die Anfahrt, um schon ein wenig warm zu werden. Nach Zahlung meines Startgelds wanderten meine neuen Castelli-Beinlinge in die Satteltasche, die Regenjacke steckte im zweiten Flaschenhalter und die kurzen Handschuhe in der Trikottasche. Also los, ab auf die Strecke.

Immer gut sichtbar: die Startnummer

Der erste Teil über Nörvenich und Vettweiß bis zum ersten Kontroll- und Verpflegungspunkt in Embken verlief flach und war genau das Richtige zum Warmwerden. Es waren bis dato knapp 30 km vorbei, vielleicht 200 Höhenmeter wurden bis dato gesammelt. Nach einer kurzen Waffelstärkung und dem obligatorischen Auffüllen der Wasserflasche (ich hab mich für die 1-Liter-Flasche entschieden, um einen Flaschenhalter freizuhalten), in die dann meine vorbereitete Pulvermischung kam (60 g Maltodextrin mit einer Prise Salz), ging es auch sofort an den ersten – kleinen – Anstieg nach Nideggen mit abschließender Serpentinenabfahrt nach Abenden. Ich bin diese Route ja schon mehrmals gefahren, zuletzt im April, so dass ich mich schon mental auf den ersten richtigen Anstieg des Tages vorbereitete und dementsprechend nicht ganz so viel Pace machte. Denn ab Heimbach sollte es knapp 300 Höhenmeter an Kloster Mariawald vorbei nach Wolfgarten gehen. Das klappte auch ganz manierlich, nicht mit meiner besten Zeit, aber ich hatte ja noch 160 km Gesamtfahrstrecke vor mir – also Körner sparen!

Oben angekommen, verballerte ich erst einmal die gewonnenen Höhenmeter in der schönen Abfahrt nach Gemünd, um die 60 km/h zeigte mein Wahoo an. In Gemünd wartete dann auch schon der nächste Kontrollpunkt auf mich, inzwischen standen 60 km auf der Uhr (ohne die Anfahrt nach Erftstadt), also sind noch 145 km Marathonstrecke zu absolvieren. Trinkflasche füllen, kurz in ein Brot beißen, Stempel abholen und ab in Richtung Schleiden. Dies war der unschönste Teil der Strecke, denn es war recht viel los auf der Straße und es nieselte ein wenig, aber das ging dann auch vorbei, als es kurz hinter Hellenthal wieder steiler wurde; vorher ging es stetig, aber leicht bergauf, nun wurde es steiler und ich freute mich über meine 1:1-Übersetzung. Als ich den Abbiegepunkt für die 150 km Strecke passierte, wurde es langsam einsamer auf der Strecke – das änderte sich aber nachher wieder, nur hier war ich irgendwie eine Stunde alleine auf weiter Flur unterwegs.

Halbzeit!

Oben angekommen, ging es hinein nach Belgien und 5 km über eine eher unschöne Straße, da ziemlich kaputt und in einem eher ruppigen Zustand. Trotzdem gab ich etwas mehr Gas, da 500 Meter vor mir ein uralter Traktor fuhr, der ordentlich stank und den ich loswerden wollte. Also Trittfrequenz hoch und nach 4 km hatte ich ihn und zog in einer kurzen Abfahrt an ihm vorbei. So langsam setzte auch Hunger ein, so dass ich vor der letzten Steigung (gemütliche 60 Höhenmeter) in Wirtzfeld und somit 6 km vor dem nächsten Kontrollpunkt in Elsenborn meinen Notfallriegel verzehrte.

Ohne Mampf kein Kampf!

Beim Kontrollpunkt bei Elsenborn hatte ich knappe 100 km der 206 km hinter mir, es war also Halbzeit und Zeit, Kalorien nachzuwerfen. Für Kohlenhydrate hatte ich ja in meiner Trinkflasche gesorgt, dennoch tat es gut, mal richtig was zu beißen und mit Cola nachzuspülen. Nach ein paar Minuten hieß es dann wieder „ab aufs Rad“, inzwischen schon lange mit kurzen Handschuhen und mit kurzer Weste, und zwar stetig bergab, ein großer Teil davon auf dem Vennbahnradweg, vorbei an Kalterherberg, woran ich merkte, dass ich wieder in Deutschland radelte. Mit gemütlichen 40 km/h rollte ich durchs Hohe Venn und genoss Geschwindigkeit, den bestens ausgebauten Radweg und die Ausblicke. Da sich bis dato nur leichte Anspannungen im Nacken zeigten, war ich positiv gestimmt, die nun noch knapp 90 km hinter mich zu bringen.

Die letzten Steigungen

Bevor es an die letzten Höhenmeter ging, genoss ich erst einmal die Abfahrt hinter Monschau in Richtung Hammer, die zwar teilweise verregnet, aber dennoch wunderbar zu fahren war. Schön schnell, der Tacho kratzte an der 70 km/h-Grenze und die Kurven waren richtig geil! Nach Hammer folgten erst einmal 2 kurze Rampen mit anschließenden Rollphasen, bevor der Anstieg von Einruhr nach Herhahn und somit die letzte richtige Steigung vor mir lag (knapp 250 Höhenmeter auf 7 km). Die folgende Abfahrt nach Gemünd war dann wieder ein tolles Erlebnis mit richtig Speed und mein fettes Grinsen ließ mich vermutlich wie bekifft aussehen.

Ich kam wieder an die Kontrollstelle in Gemünd, tankte kurz nach und machte mich wieder auf in Richtung Kall und Mechernich. Über Anstois und Voißel waren noch wenige Höhenmeter niederzufahren, der Rest war dann „Kindergeburtstag“ mit Winddruck von hinten und schönem Gefälle über Satzvey, Obergartzem und dem letzten Kontrollpunkt Irresheim – die Gegend und was dann noch kam, kenne ich ja aus dem Effeff. Bald kam auch schon Lechenich in Sicht und ich hatte es geschafft – im Ziel hatte ich dann 206 km und knapp 2.150 Höhenmeter auf dem Tacho, ein paar kamen dann noch auf dem Heimweg hinzu, so dass ich auf 230 km und 2.200 Höhenmeter kam. Das machte mich dann schon stolz und auch froh, denn ich hatte keine Beschwerden zu beklagen; die Assos-Bibshort und die Assos-Gesäßcreme sind wirklich ihr Geld wert!

Mein Fazit

Erst einmal geht mein Dank an die Organisatoren – Ihr habt ein tolles Event auf die Beine gestellt! Die Strecke war größtenteils super und immer perfekt ausgeschildert, die Verpflegung prima, die Stimmung gut. Danke hierfür!

Ich selbst bin sehr zufrieden mit meiner Leistung, obwohl von der Geschwindigkeit mehr drin gewesen wäre. Aber ich war alleine unterwegs und das erstmals auf einer solchen Strecke, da musste ich mich erstmal zurechtfinden. Aber es klappte super, was mich sehr hoffnungsfroh für Duisburg stimmt. Angst hab ich zumindest keine mehr 🙂

Strecke und Höhenprofil

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